Geschichte der Umgangsformen
Die Geschichte der Umgangsformen ist alt. Schon der römische Dichter Horaz (65-8 v.Chr.) klagte über die ungehobelten Umgangsformen der römischen Gesellschaft.
Auf Grundlage der 10 Gebote, sowie der Weisungen Jesu an seine Jünger, lehrte die Kirche im Mittelalter Regeln für den Umgang miteinander. "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" Diese Weisung Jesu aus der Bergpredigt, ist heute noch zentraler Punkt der modernen Umgangsformen.
Für den adligen Ritter waren gute Umgangsformen ein Muss. Dass die rechte Seite Ehrenseite ist und dass eine Frau umworben sein "muss" verdanken wir diesen edlen Mannen.
Aus dem 16. Jahrhundert stammt das Werk von Graf Baldassare Castiglione "Das Buch vom Hofmann". Es diente als Standardwerk für Umgangsformen in ganz Europa.
Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XVI., ließ an seinem Hof Schilder (Etiketten) mit besonderen Benimmregeln für seine Höflinge aufstellen.
Freiherr Adolph von Knigge – wer kennt ihn nicht! Sein wohl bekanntestes Werk "Über den Umgang mit Menschen" machte ihn berühmt. Entgegen vieler Meinungen galt sein Engagement jedoch hauptsächlich dem Kampf für Menschenrechte, gegen Aberglaube, Despotismus und Ungerechtigkeit.
Die Flower-Power-Bewegung in den sechziger Jahren schließlich läutete den Niedergang der bürgerlichen Umgangsformen ein. Viele praktizierten den Ausstieg aus der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft, und kämpften für gesellschaftliche Veränderung. Das praktizieren von Umgangsformen galt lange Zeit als veraltet und spießig und wurde somit auch nicht mehr an die Kinder weitergegeben.
Heute erleben wir eine Renaissance der Umgangsformen. Führende Persönlichkeiten in Wirtschaft und Politik fordern von ihren Angestellten gute Umgangsformen. In der Kindererziehung wird der Ruf nach Wertevermittlung immer lauter.
Es gibt Sicherheit die Regeln der Etikette zu kennen. Viel wichtiger jedoch ist die Herzenshaltung im Umgang miteinander. Einem offenen, positiven und authentischen Menschen wird ein Etikettefehler gerne verziehen.
Ein Mensch mit Kentniss aller Benimmregeln jedoch ohne Charakter ist mit Sicherheit kein gern gesehner Gast.